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Podcast #13 Achtsame Wahrnehmung

Fast jeder Mensch ist felsenfest davon überzeugt, er nehme die Welt genauso wahr, wie sie sei. Wir denken, jeder nimmt genau das Gleiche wahr, jeder sieht die Welt durch die gleichen Augen und es gibt nur eine Realität. Genau das Gegenteil ist der Fall. Jeder von uns sieht, hört und fühlt den lieben Tag lang individuell für sich und kreiert damit seine ganz eigene Wahrheit. Durch mehr Achtsamkeit wird uns diese Tatsache bewusst und wir können lernen auch den Anderen zuzuhören, wenn sie uns von ihrer Welt erzählen. Ich möchte dir gerne etwas mehr zur Wahrnehmungstheorie mitgeben und dir erklären, wie das bei mir persönlich oft zu Missverständnissen führt.

 

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Es fängt schon beim Sehen an: wir empfangen durch unsere Augen Lichtimpulse , die von den Dingen in der Welt abgegeben werden und wir interpretieren diese dann anhand unseres Wissens. Somit entsteht für jeden von uns allein schon dadurch, dass all unsere Augen und unser Wissen verschieden sind, ein komplett eigenes Bild der Welt. Das Wichtigste dabei zu verstehen ist, dass unser Gehirn uns bei der Verarbeitung hilft. Das zeigt uns, wie verschieden unsere Auffassung sein muss, denn jeder bringt in diese Verarbeitung seine ganz eigene Vorgeschichte mit ein. So sieht jemand, der schon mal in seinem Leben ein Hochhaus gesehen hat, ein Hochhaus. Jemand, der das aber noch nie in seinem Leben gesehen hat oder nicht weiss, was das ist, könnte auch etwas ganz anderes darin sehen, wie zum Beispiel einen Turm oder einen grossen Baum. Und so entstehen Missverständnisse.

 

 

Das gleiche passiert beim Hören. Geräusche werden von unserem Ohr aufgenommen und dann mit Hilfe des Gehirns verarbeitet. Kennen wir eine Sprache, können wir aus den verschiedenen Lauten einen Sinn bilden. Aber selbst wenn wir die gleiche Sprache sprechen, heisst das noch lange nicht, dass wir wirklich verstehen was der andere sagt. Zahlreiche Studien bestätigen diese Wahrnehmungstheorie.

 

Ich möchte gerne die verschiedene Schritte des Prozesses genau erklären:

 

Der Wahrnehmunsgsprozess beginnt mit einem Stimulus (ein äusserer Reiz) – das kann ein Objekt sein, das wir sehen, eine Frage, die wir hören, eine Situation, die wir beobachten. Als Beispiel nehmen wir das Hochhaus von oben, der Reiz ist also das Hochhaus, das in der Stadt steht. Diesen Reiz nehmen wir zunächst wahr. Wir nehmen das Licht, das von ihm abgesandt wird, mit unseren Augen auf.

 

Als nächster Schritt wird die Wahrnehmung von uns enkodiert und kategorisiert – das heisst, man gibt ihr eine Bedeutung und ordnet sie ein. Kennen wir das Konzept Hochhaus, kann unser Gehirn es einordnen. Falls wir aber noch nie gehört haben dass es sowas wie ein Hochhaus gibt und noch nie eins gesehen haben, wird das Gehirn es woanders einordnen oder es eben nicht einordnen können.

 

Daraufhin urteilt und entscheidet man. Man entscheidet, dass dies ein Hochhaus ist oder aber, dass man das Objekt nicht kennt. Als letzter Schritt reagiert oder handelt man. Das heisst wir sagen etwas oder tun etwas, sofern wir uns in einer sozialen Umgebung befinden. Steht neben uns ein Kind, das uns gefragt hat was das Objekt sei, so würden wir nun entsprechend antworten mit: "Das ist ein Hochhaus" oder "Ich weiss es nicht".

 

 

 

Bildlich läuft das so ab:

Das war nun sehr theoretisch aber weshalb erzähle ich das hier? Wichtig ist dieses Konzept, um zu verstehen wie es zu Missverständnissen mit unseren lieben Mitmenschen kommen kann und wie wir mehr Verständnis für andere Sichtweisen zeigen und mit unseren Interpretationen achtsamer umgehen können.

 

Beispiel:

Vor kurzem hatte ich so ein Erlebnis, das zeigt, wie sehr unser Gehirn und unsere Vorstellung unsere Wahrnehmung oder auch unser Gehör beeinträchtigt. Mein Mann wollte mich von der Arbeit abholen. Wir wohnen an einem kleinen Hang, von dem man bergabwärts laufen kann, dann die Bahnschienen an zwei parallelen Orten überqueren kann und somit die Strasse erreicht, an der meine Arbeit ist. Eine dieser Überquerung ist ein kürzerer Weg, der andere ist etwas länger und führt direkt durch den Bahnhof.

 

Als ich mit der Arbeit fertig war, rief ich ihn an und fragte wo er denn gerade sei, ich könne ihm entgegen laufen. Er sagte: „Ich überquere gerade den Bahnhof“. BahnHOF. Wichtig zu wissen ist, dass ich jeden Tag in der früh zur Arbeit laufe und dabei den kürzeren Weg laufe, der nur die Bahnlinien überquert, jedoch nicht den Bahnhof. In meinem Kopf war dieser Weg die einzige Möglichkeit, ich habe gar nicht in Erwägung gezogen, er könne den anderen Weg nehmen. Nun kennt er die neue Stadt noch nicht so gut und hat tatsächlich den längeren Weg genommen da ihm gar nicht bewusst war, dass es noch einen anderen gibt. Eigentlich hätte ich ja alarmiert sein müssen, als er mir sagte, dass er den Bahnhof überquere...aber ich habe mein Hören selektiv beschränkt. Ich habe wie einen Tunnelblick für mein Gehör entwickelt und nach Bahn.... einfach aufgehört zuzuhören da ich ja in meiner Gedankenwelt dachte, er überquere dann ja gerade diese Bahnschienen die ich kenne J Es kam sozusagen ein Stimulus, ich habe ihn wahrgenommen, mit meinen eigenen Erwartungen verknüpft und daraus meinen Schluss gezogen. Hätte ich nichts erwartet, hätte ich sicher richtig zugehört. So stand ich da und wartete, er tat das Selbe aber an einem anderen Ort und erst als wir uns angerufen haben und merkten was da nun mal los war, habe ich es verstanden und laut über mich selbst lachen müssen.

 

 

 

Geht es dir manchmal auch so, dass du überzeugt bist deine Realität wäre die einzig Richtige? Vielleicht hilft dir dieser Artikel, das nächste Mal etwas objektiver an Dinge ranzugehen. Achtsamkeit kann uns helfen, unsere eigenen Erwartungen, Wünsche und Erfahrungen von der Wahrnehmung zu trennen. Das benötigt viel Übung, da die Prozesse automatisch ablaufen aber glaub mir, mit viel Übung wird es immer besser :)

 

Deine Kristina

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