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Kann man Optimismus lernen? Ich zeige dir 3 Wege, wie es geht

 

Bist du Pessimist oder Optimist? Ist dein Glas halb leer oder halb voll?

 

Wenn ich in meinem Leben zurückschaue, dann bin ich wohl beides. Als Kind war ich eher optimistisch, doch als ich älter wurde, habe ich mir etwas angewöhnt, das man auch "beschützenden Pessimismus" nennen könnte. Was das ist? Ich nehme dich mal mit in meine Jugend. Wenn wir in der Schule eine Arbeit geschrieben haben, dann hab ich danach immer lieber mit dem schlimmsten Ergebnis gerechnet, denn sobald es dann besser war, war ich froh, falls nicht, war ich schon vorbereitet und nicht negativ überrascht. Ich habe mich mit meinem Pessimismus selbst beschützen wollen, vor negativen Erfahrungen.

 

Klingt gar nicht so blöd? Oder kennst du das vielleicht auch?

 

Die Gefahr dabei ist, dass man sich selbst eine pessimistischere Sichtweise im Leben angewöhnt. Zudem habe ich mir ja selbst schon immer negative Gefühle erschaffen, die vielleicht gar nicht nötig gewesen wären, da ich ja noch nicht mal wusste, welche Note ich erhalte. 

 

Was genau ist nun optimismus?

 

Wir wollen natürlich nicht alle naiv oder blauäugig durch die Welt gehen, das ist mit Optimismus nicht gemeint. Optimistische Menschen gehen Probleme aber eher als Herausforderungen an, sind proaktiver und selbstbewusster. Pessimistische Menschen sehen im Gegenzug dazu oft den Fehler für Dinge bei sich, auch wenn dies nicht der Fall ist, sie zweifeln mehr, grübeln und machen sich viel Sorgen. Letzteres macht uns natürlich mehr zu schaffen und kann unsere Laune trüben. Ein gesunder Optimismus, der nicht in Naivität übergeht, macht uns stark, glücklich und gesund.

 

Wissenschaftlich* bewiesen sind Optimisten:

 

  • Erfolgreicher in der Schule, der Arbeit und im Sport
  • Gesünder und leben länger
  • Glücklicher in ihrer Ehe
  • weniger anfällig für Depressionen
  • weniger ängstlich

*https://greatergood.berkeley.edu/article/item/the_benefits_of_optimism

 

Wie kann man das lernen?

 

Ich selbst trainiere seit einigen Jahren meinen Optimismus - und das kannst du auch. Denn unsere Persönlichkeit ist zwar teilweise genetisch bedingt, ein Grossteil davon bildet sich aber erst in unserem Leben heraus. Durch Beobachtung von anderen, durch Erfahrungen und Entscheidungen. Dank dem wunderschönen Konzept der Neuroplastizität, das besagt, dass unser Gehirn formbar ist, wissen wir heute, dass wir uns selbst neu programmieren können, und dazu gehört auch Optimismus. Martin Seligmann, einer der Begründer der positiven Psychologie hat hierzu schon viel geforscht und ich teile mit dir heute meine 3 liebsten Methoden.

 

1. 3 Good things

 

Eine meiner Lieblingsübungen ist die Übung "3 Good Things". Es dürfen natürlich auch 4 oder 5 sein. Ich schreibe mir dazu jeden Abend, wenn ich im Bett liege, alle positiven Ereignisse des Tages in mein Tagebuch auf. Mindestens aber 3 Ereignisse. Dabei versetze ich mich noch einmal in die Situation hinein und durchlebe die positiven Emotionen. Das kann alles sein, von einem schönen Moment in der Arbeit, über ein Lob das ich bekommen habe oder etwas, das ich gemeistert habe.

 

Wieso funktioniert es?

 

Durch die Wiederholung der positiven Momente verstärken wir positive Verknüpfungen in unserem Gehirn. Die Emotionen beim erneuten Durchleben, das Serotinin, wirkt dabei als "Klebstoff" und hilft, neue Verknüpfungen zu erschaffen. Und je mehr positive Verknüpfungen wir haben, umso mehr haben wir unser Gehirn auf Glück programmiert. Wichtig ist hier natürlich die Regelmässigkeit, denn nur, was wir immer wieder tun, wird zur Gewohnheit und ruft dauerhafte Veränderung hervor.

 

2. Silver Linings

 

Diese Übung sollte man anfangs für mindestens 3 Wochen durchführen, um eine Veränderung zu sehen. Danach beginnt man automatisch schon anders zu denken. Empfehlenswert ist es aber, dies gemeinsam mit der Übung 3 Good Things am Abend durchzuführen und so zu einem festen Bestandteil seines Lebens zu machen. Es bietet sich auch an, die Übung genau dann zu machen, wenn etwas schief gelaufen ist.

 

Wie geht es?

 

Hierzu beginnst du, dir zuerst 3 Bereiche oder Dinge deines Lebens aufzuschreiben, die gerade gut laufen. Danach nimmst du dir die Situation, die gerade schief gelaufen ist oder egal, was an diesem Tag nicht so gut geklappt hat. Schreibe dir dann mindestens 3 Dinge auf, die an dieser Situation positiv sind oder die du darin Positives finden kann. Du suchst quasi immer das Silver Lining in jeder Situation.

 

Wieso klappt es?

 

Genau wie bei der Übung 3 Good Things, geht es hier um die Neuprogrammierung unseres Gehirns. Wir lernen, in Problemen eher Herausforderungen zu sehen, Chancen für Wachstum und machen uns auch in schwierigen Zeiten klar, dass nicht alles in unserem Leben schlecht läuft, denn der Mensch neigt dazu, negative Dinge schwerer zu gewichten als positive (negativity bias).

 

3. Lerne Loslassen

 

Kennst du den Moment, wenn deine Gedanken immer wieder um die gleiche Sache kreisen? Etwas ist schief gelaufen und du denkst die ganze Zeit darüber nach, malst dir aus, was noch alles Schlimmes passieren könnte, was die anderen wohl von dir denken und so weiter. In deinem Kopf läuft ein Horrorfilm ab. Und je länger du diesen Film spielen lässt, umso schlimmer wird es werden. Da hilft nur eines, die Situation loslassen! Aber wie?

 

So geht es

 

Ich habe mir für Momente mit diesem Kopfkino ein paar verschiedene Methoden überlegt. Mir persönlich hilft dabei sehr gut eine Visualisierung, beziehungsweise habe ich zwei verschiedene auf Lager, die ich je nach Situation anwende, vielleicht sagt dir ja eine davon zu.

 

1. Bring deinen inneren Kritiker ausser Gefecht

Mach mal kurz die Augen zu und stelle dir vor, wie dein innerer Kritiker wohl aussehen könnte. Wie eine alte Hexe? Ein meckernder alter Mann? Bei mir ist es ein alter Nachbar, der vor seinem Haus sitzt und nur den ganzen Tag nörgelt. Und wenn du das Bild für dich gefunden hast, dann überlege dir nun, was du sagen oder tun könntest, damit dieser Kritiker den Mund hält. Ich stelle mir dann vor, wie ich eine Bratpfanne nehme und ihm eins über den Kopf ziehe.

 

2. Schliesse dein Kopfkino aus

Wenn dir das Beispiel oben nicht zusagt, dann versuche doch das einmal. Schliesse wieder die Augen und sie zu, wie deine Gedanken vor dir Karussell fahren. Stell dir nun vor wie du sie an der Hand nimmst, zu deiner Türe begleitest, sie dort hinstellst und einfach die Türe wieder schliesst. Dann kommst du wieder zu dir zurück.

 

Wieso es funktioniert?

Es gibt hier verschiedene mentale Tricks die helfen. Zum einen benutzen wir durch die Visualisierung unser visuelles Gehirn. Sobald wir das aktivieren, kann der Teil des Gehirns, der sich Sorgen macht und Selbstgespräche führt, nicht mehr so gut funktionieren. Wir übernehmen wieder mit der Logik den Teil, der davor Karrussell gefahren ist. Zum anderen hilft es uns eine bewusste Entscheidung zu treffen, diese Abwärtsspirale zu unterbrechen. Und das ist alles, was es manchmal braucht um wieder klar zu sehen.

 

Jetzt geht es ans üben

 

Welche Übung spricht dich an? Was willst du ausprobieren?

 

Und denke immer dran, Übung macht den Meister. Also wenn du Meister-Optimist werden willst, dann startest du am besten heute noch damit zu üben :)

 

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