· 

Mindful Shopping - Tips für nachhaltiges Einkaufen im Experteninterview mit Gabriela

Wie kann ich beim Shopping drauf achten, dass die Kleidung nachhaltig hergestellt wurde? Woher weiss ich, dass dabei mit unserer Umwelt und mit den Herstellern und Angestellten achtsam umgegangen wurde? Oft ist uns das nicht klar und wird dem Konsumenten auch nicht wirklich erklärt. Im heutigen Experteninterview mit Gabriela, die schon viele Jahre in der Modebranche arbeitet, erhältst du viele Insights und Tipps und Tricks, wie du dich modisch kleiden kannst und das mit Achtsamkeit und Nachhaltigkeit.

 

 

 

 

 

Link zum Podcast auf iTunesSpotifyStitcher, YouTube & Podcaster

 

 

K: Liebe Gabriela, ich freu mich ganz besonders, dass du da bist und dass wir uns über das Thema nachhaltige Mode unterhalten können. Das Thema beschäftigt mich erst seit ein paar Monaten, früher habe ich mich nicht so viel damit auseinandergesetzt. Es kam bei mir durch eine Doku auf, die ich gesehen habe und die mein Leben etwas auf den Kopf gestellt hat. Früher bin ich oft in den typischen Modeläden einkaufen gegangen und hab mir überhaupt nie Gedanken gemacht über die Bedingungen unter denen die Kleidung hergestellt wird. Nachdem du in der Modebranche arbeitest, hoffe ich, dass du mir weiterhelfen kannst du mir sagen kannst wie ich nun weiter machen soll in diesem Thema. Erzähl uns doch erst mal etwas über dich und was du so machst

 

 

G: Hallo Kristina, freut mich sehr hier zu sein und mit dir über nachhaltige Mode zu sprechen. Ich bin seit gut 20 Jahren in der Modebranche tätig in verschiedenen Stationen vom Studium in Textilbetriebswirtschaft, Einzelhandel, Herrenmode , bei Großkonzernen im Einkauf und jetzt seit einem Jahr in einem Team tätig für Schweizer Mode.

 

 

K: Super danke dir. Möchtest du erzählen wie du zu dem Thema nachhaltige Mode gekommen bist? 

 

 

G: Nachhaltige Mode hat bei mir durch ein persönliches Erlebnis angefangen. Ich habe für ein großes Schweizer Modehaus gearbeitet, das in billigen Ländern produziert hat. Als ich dann dort auf Geschäftsreise war gab es für mich einen Aufwachmoment. Wir hier im Luxus und die dort haben gar nichts. Ich habe mich damals schon mit Yoga beschäftigt und diese Bewusstheit hat schon in mir angefangen.

 

 

K: Kannst du etwas mehr erzählen von den Eindrücken die du dort erhalten hast und wie der Wandel bei dir kam das so nicht mehr so weiter machen möchtest ?

 

 

G: Der Grund war an sich das Soziale. Das ist bei mir immer so der Grund für Veränderung. Der Mensch, die Gesundheit, das Erlebnis war sehr einschneidend. Dass ich jetzt Schweizerin da hinreise und in einem tollen fünf Sterne Hotel übernachte, mir eine Massage gönne und im Luxus lebe und um mich rum wirklich einfach Slum. Verkrüppelte Menschen die keine Beine mehr haben, in den Fabriken siehst du Jugendliche und Erwachsene ausgezehrt, ausgemergelt ohne Schutzmasken, die sich mit Färbemittel beschäftigen, die Textilien behandeln ohne Schutzmaßnahmen ohne Schutzstandards wie hier. Zum Beispiel in der Schweiz und Europa sind viele Dinge seit Jahren verboten die dort noch im Einsatz sind. Diese Armut, das spürbar so zu erleben das hat für mich nicht mehr gestimmt und das war für mich der Auslöser dass ich dann gekündigt habe.

 

 

K: Wahnsinn das ist mir auch in der Dokumentation so bewusst geworden und ich kann mir vorstellen, dass wenn man da wenn man das mit eigenen Augen sieht dass es einem dann anders wird.

 

 

G: Ja ich bin dann zurück und wusste, ich brauche eine Entscheidung für mich - das geht nicht mehr. Das war dann eine sehr schnelle Entscheidung.

 

 

K: Spannend. Denkst du, dass alles was wir einkaufen bei uns in den typischen Läden in solchen Produktionsstätten hergestellt wird?

 

 

G: Nach wie vor ein Großteil. Das war für mich auch einschneidend, man denkt teilweise, dass teure Marken vielleicht hier produziert werden oder dort seien die Bedingungen besser. Ich dachte teure Marken werden in Europa produziert, vielleicht in der Türkei oder so ich habe dann vor Ort in China auch gesehen dass Kleidung von teuren Labels direkt neben den günstigen Labels hingen und am gleichen Ort produziert werden. Es gibt dort eigentlich keinen Unterschied von der Herstellung. Die Marke ist einfach sehr teuer weil man zum Beispiel sehr viel für Werbung etc zahlt. Das war einschneidend, aber ich wollte das auch sehen, denn nur von der Ladentheke aus sieht man so etwas nicht. Man sieht nicht die ganze Wertschöpfungskette, die ganzen Schritte die davor stattfinden bis das Kleidungsstück bei uns im Laden hängt. 

 

Zurück zu deiner Frage, Ja, ein großer Teil wird in Fernost produziert.

 

 

K: Denkst du dann, wenn in Europa produziert wird , dass das besser ist und nachhaltiger?

 

G: Ja, weil wir ganz andere Standards hier haben, ganz andere Gesetze und Regulation was zum Beispiel den Einsatz von Chemikalien betrifft oder Arbeitsrecht, Arbeitsbedingungen, ökologische Standards und Schutzmaßnahmen. Diese sind hier in der Schweiz sehr hoch aber generell in Europa anders.

 

 

K: Also wäre der erste Schritt schon darauf zu achten, dass etwas aus Europa stammt und nicht aus Asien?

 

G: Wir haben hier ja das Glück in der Schweiz dass das Produktionsland meistens auf dem Etikett steht. Aber das ist letztendlich nur der letzte Schritt der ganzen Kette aber man weiß zumindest, dass das Teil hier in Europa hergestellt wurde wo die Leute ganz andere soziale Bedingungen haben. 

 

 

K: Du sagst das ist ja ihn nur der letzte Schritt der Kette. Was denkst du denn sind noch andere Dinge die man beachten kann um nachhaltige Mode einzukaufen?

 

G: Ich denke vor allem ein bewusster Umgang ist sehr wichtig, dass man sich einfach Gedanken macht wenn man zum Beispiel die Garderobe von Winter auf Sommer umgestellt welche Teile braucht man wirklich und sich mal damit auseinandersetzt was man wirklich kaufen möchte. Was brauche ich, welche Möglichkeiten habe ich, wo kann ich sie mir kaufen und sich auch mehr Zeit nimmt und auch bewusster einkauft. Man kann zum Beispiel mal in einen Laden gehen, wo vielleicht die Inhaberin noch im Geschäft steht und auch noch einen anderen Bezug zu der Waren hat und erklären kann wo es produziert wurde und einfach ins Gespräch kommen. Auch wenn sie es nicht weiß, kann sie nachfragen. Dann gibt es natürlich auch Labels die ganz klar sagen wir sind nachhaltige Labels wir produzieren fairtrade und dort kann man sich auch einfach mal informieren was steht hinter diesen ganzen Begriffen wie zum Beispiel Bio Baumwolle. Es kommt immer drauf an was man sucht. Wenn wir jetzt eher Freizeitkleidung suchen es nach wie vor eher einfacher wenn man Business Kleidung sucht, dann wird es schon etwas schwieriger. Dort würde ich empfehlen bei kleineren Labels zu schauen und dann immer auf das Etikett schauen wo es produziert wurde. Es kommt immer drauf an wie viel Nachhaltigkeit möchte man mit seiner Kleidung. Vollständig nachhaltig ist relativ schwierig, wenn man die drei Säulen anschaut: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Gerade die elegantere Moden, da es einfach auch aus den Stoffen schwierig wird oder auch die Färbung schwarz ist relativ intensiv zum Färben man braucht relativ viel Chemie.

 

 

K: Super danke. Zusammenzufassend: Als aller erstes bewusstes einkaufen, sich zu überlegen was man wirklich braucht, dann sich auch mit dem Produkt auseinandersetzen mit den Leuten sprechen sich mehr informieren. Du hast gerade noch drei Säulen angesprochen. Ökologie Ökonomie und Soziales - kannst du etwas mehr über diese drei Säulen erzählen?

 

G: Ja klar. Also die 1. Säule ist Ökologie. Natur. Umweltbewusster Klimaschutz. Für diesen Aspekt ist es wichtig, das man sich überlegt wo und wie ist das Teil produziert wurde und aus was. Nehmen wir mal ein Beispiel: Ein Baumwoll T-Shirt für eine Schweizer Firma wird in Bangladesch produziert. Die Baumwolle kommt dazu aus Indien. Dort ist eine trockene Gegend, da muss natürlich gewässert werden und das in einem Land wo sowieso schon nicht viel Wasser vorhanden ist. Dann wird die Baumwolle zum Beispiel in Taiwan zu einem Garn verarbeitet. Die Baumwolle hat also viele Wege, muss gewaschen und gereinigt werden und dann wird der Stoff gefertigt, vielleicht noch mal ganz woanders zum Beispiel Türkei. Das sind ja schon unheimliche Transportwege. Dann wird es noch veredelt und gefärbt in einem Land und dann in Bangladesch produziert. Bis dahin schon mehrere 1000 km die zurückgelegt wurden mit einem Flugzeug. Klar gibt es dort viel CO2 Ausstoß. Aber man muss sich auch überlegen was dort an Verschmutzung schon alles passiert ist. Die Natur wird verschmutzt, das Wasser wird vielleicht auch nicht richtig gereinigt nach dem Färben, noch in einen Fluss rein gelassen den das Dorf benutzt als Trinkwasser. 

 

Ökonomie ist der der wirtschaftliche Aspekt, wie viel verdient jemand dort wirklich als Arbeiter. Wenn man sich mal den Preis überlegt, der hier gezahlt wird - wie kann sich dieser Preis zusammensetzen? Wie viele Leute dort auch eigentlich daran verdienen müssen? Allein hier im Laden vielleicht die Manager, die Werbung, die Näherin, die Person die die Baumwolle verarbeitet, der Baumwollbauer und so weiter. Da kommt man nicht weit bei einem T-Shirt von 5 Euro.

 

Und Soziales sind die Arbeitsbedingungen, unter denen die Arbeiter, Näher, Färber etc. arbeiten. 

 

 

K: Ja wenn ich mir überlege ein T-Shirt für fünf Euro da bleibt nicht so viel für all diese Leute involviert übrig darüber denkt man oft gar nicht nach Heisst das für dich in der Konsequenz das nachhaltige Mode immer teurer ist?

 

G: Das kommt drauf an was man miteinander vergleicht. Gleiche Qualität mit gleicher Qualität - Luxusmarke oder günstige Marke - und auch für die Produktionsstätten hier in Europa werden ganz andere Löhne gezahlt.

 

Wenn man jetzt einen Baumwoll T-Shirt das produziert wurde in Indien vergleicht mit einem Bio Baumwolltisch produziert in Europa wird es natürlich teurer sein. Wichtig aber zu wissen, dass eben nicht jede Luxusmarke auch mehr Geld investiert in die Wertschöpfungskette - dort fließt sehr sehr viel Geld in Marketing und der teure Preis mit dort eher gerechtfertigt als in der Produktion.Man kann aber auch gute nachhaltige Mode hier zu gutem Preis kaufen.

 

 

 

K: Ich war vor ein paar Tagen hier im Coop und habe mir die Naturaline Mode angeschaut. Du hattest mir vorab schon erwähnt hast, dass die sehr nachhaltig produziert sind und ich habe dort beispielsweise ein T-Shirt für 20 Fr. gefunden was natürlich jetzt nicht so teuer ist und aus Biobaumwolle hergestellt wird. Und auch was du vorhin erwähnt hast - wenn man bewusster wählt, was man eigentlich braucht, wird man grundsätzlich weniger kaufen und vielleicht sogar dauerhaft Geld sparen.

 

G: Ja - gerade wir Frauen sollten uns überlegen, nicht einfach nur losziehen und irgendwas einkaufen sondern einfach mal mehr Gedanken machen und überlegen wo finde ich das wirklich oder auch mal mit Kolleginnen schauen, was kann ich tauschen? Und lieber mal ein etwas besseres Teil investieren das auch länger hält und nicht schon nach dem Tragen wieder direkt kaputt ist oder nach ein paar Wäschen wieder kaputt ist. Alles in Allem gesehen spart man dann auch Geld wenn man bewusst einkauft. 

 

 

K: Was ich auch so spannend fand in der Dokumentation ist das Thema Werbung: oft wird uns von der Werbung verkauft, dass wir ein Gefühl kaufen also wenn wir ein Kleidungsstück besitzen dann fühlen wir uns so wie diese Person in der Werbung wenn wir diese Jeans tragen und dann fühlen uns genauso frei und sexy wie diese Frau in der Jeans Werbung. Und eigentlich ist das Bedürfnis dahinter ein ganz anderes Bedürfnis und zwar das nach einem guten Gefühl, nach Wertschätzung, nach Selbstliebe - das hat oft gar nichts mit der Kleidung zu tun. Wir denken, wenn wir ein neues Kleidungsstück haben dann geht es uns besser und vielleicht wäre es einfach mal besser, sich zu fragen welches Bedürfnis dahinter steckt.

 

G: Das hat natürlich auch wieder mit Achtsamkeit zu tun: In sich rein spüren: warum brauche ich das? Vergleiche ich mich schon wieder mit jemanden? Ist das Standard, muss das so sein in dieser Gesellschaft? Was befriedigt mich? Was brauche ich jetzt wirklich? 

 

 

K: Was mich noch brennend interessieren würde, ist wie du dem Thema umgehst. Lebst du komplett nachhaltig oder schaust mehr auf den Stoff oder mehr auf die Produktionsstätte?

 

G: Die ganze Kette komplett nachhaltig? Dann sag ich nein ich bin nicht konsequent. Es ist schwer nur Kleidung zu tragen die komplett nachhaltig ist. Mir war es aber schon immer sehr wichtig, wo etwas produziert wurde. 

 

 

 

K: Ganz kurz um noch mal auf die Materialien einsteigen: also Biobaumwolle hast du erwähnt das ist gut - Polyester sehr schlecht?

 

G: Also natürlich, Polyester ist einfach ein Kunststoffmaterial und kein natürliches. Wenn das aber in der Schweiz hergestellt wird ist es schon wieder etwas anderes und besser als ein Baumwollshirt aus Indien. Die Kette ist einfach lange und am besten überlegt man sich selbst mal mit welchem Faktor man anfängt. Ökonomie, Ökologie oder Soziales. Also vielleicht das Material, die Produktionsstätte oder die Arbeitsbedingungen. Einfach mal irgendwo anfangen und Schritt für Schritt umsetzen. Etwas rauspicken und dort umsetzen und dann wird sich das von alleine noch ergeben und irgendwann wird es auch zu einer Routine wie beim Autofahren irgendwann kommt es auch automatisch man darf auch nicht so streng mit sich sein.

 

 

 

K: Das ist ein schöner Ansatz und hat auch viel mit Achtsamkeit mit sich selbst zu tun. 

 

G: Ja und vor allem erst mal die ganze Garderobe aussortieren und Sachen wegschmeißen macht auch keinen Sinn. 

 

 

K: Vielen Dank liebe Gabriela für diesen spannenden Infos und dieses tolle Interview ich hab sehr viel daraus mitgenommen ich hoffe unsere Leser auch.

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

KONTAKT

Kristina von Fuchs

Tel. +41 78 898 2954

info@kristinavonfuchs.com

THEMEN

NEWSLETTER

Trage dich  für meinen Newsletter ein, damit du immer über aktuelle Angebote und Neuigkeiten informiert bist. Als Dankeschön erhältst du mein neues E-Book "Mindful Happiness Guide" per E-Mail.